Rücktritt von Walo Möri, EVP

Interview mit Walo Möri:
Walo, dein Rücktritt aus dem St. Galler Stadtparlament Ende 2009 kam mindestens für Aussenstehende recht unerwartet.
Ja, bisher konnte ich meine Heimleiter- und Verbandsarbeit, sowie ein kirchliches und ein politisches Amt einigermassen „unter einen Hut bringen“. Nun geht das nicht mehr, denn aus einer Standortbestimmung in „meinem“ Pflegeheim Heiligkreuz hat sich 2009 ein zusätzliches arbeitsintensives Projekt entwickelt. So musste ich mich fragen: „Wo bin ich am ehesten ersetzbar und wo bringt mir ein Rücktritt am meisten verfügbare Zeit?“ Die Antwort war eindeutig: in der politischen Arbeit. Durch den Verzicht erhoffe ich mir zudem einen Gewinn für die Familie.
Du gehst also mit einem lachenden und einem weinenden Auge?
Ja, denn als Stadtparlamentarier steht man im Strom der lokalen und regionalen Entwicklung – das zeigt einem Zusammenhänge auf und erweitert den Horizont. Innerhalb des Parlaments haben es mir die Verbindungen über Partei- und Amtsgrenzen hinaus besonders angetan. Und natürlich die Möglichkeit, mich für die Stadt und mein Wohnquartier Heiligkreuz einzusetzen.
Welche Stärken hast du einbringen können? Was wirst du vermissen?
Ich denke, dass meine schnelle Übersicht der Vorlagen und Aktenkenntnisse eine meiner Stärken waren. Durch scheinbar naive Fragen, die aber eine gewisse Sprengkraft enthielten, konnte ich KommissionskollegInnen und - Verwaltung zum Nachdenken bringen und auf versteckte Fallen in Vorlagen hinweisen.
Vermissen werde ich sicherlich die unterschiedlichsten Denkansätze, die einen politischen Prozess begleiten und die mich auch die eigene Denkweise hinterfragen liessen.
Die zwei Stadtparlaments-Mitglieder der EVP bilden eine Fraktionsgemeinschaft mit der CVP. Was bringt das?
Zuerst einmal: Wer ohne Fraktion politisiert, ist von allen wichtigen Vorberatungen, auch in Kommissionen, ausgeschlossen.
Wenn eine ganze Tischrunde von ParlamentarierInnen und zwei Exekutivmitglieder an den Fraktionssitzungen teilnehmen, wird das Abwägen zwar manchmal schwierig. Vielfach ist jedoch der fraktionsintern erarbeitete Konsens die Vorarbeit für die Abstimmung im Rat. Die Mitarbeit in der CVP/EVP-Fraktion eröffnet der EVP ganz klar ein breites Spektrum an politischem Sachverstand.
Wirst du weiterhin politisch mitdenken?
Als Christ bist du automatisch politisch denkend, ausser du vergräbst dich in deiner eigenen Welt. Du hast die Aufgabe, die Welt „besser“ zu machen (nicht nur dich selbst) und deshalb bist du auch politisch gefordert.
Was wünschest du deiner im Rat verbleibenden Kollegin Michaela Hänggi und deinem Nachfolger Daniel Bertoldo?
Dass sie weiterhin vernetzt denken und christlich handeln und sich nicht in Schablonen pressen lassen.
Ganz herzlichen Dank und Alles Gute!


