Minarettverbot und Respekt unter Christen

Die Evangelische Volkspartei Kanton St.Gallen hat die öffentliche Diskussion über die Minarett-Initiative schon lange vor der Abstimmungskampagne lanciert, nämlich am 10. Juni 2009 im Anschluss an die Ordentliche Parteiversammlung (HV). Dazu wurden die Mitglieder einzeln eingeladen und alle EVP-Interessierten über das Info 2/2009 informiert. Jeder und jede von ihnen hätte mitdiskutieren oder schriftlich Stellung nehmen können.
An diesem Anlass referierte Lisa Leisi (EDU) als Befürworterin zur „Minarettinitiative“ und Reto Denoth (EVP; anstelle des abwesenden Nationalrats Walter Donzé) übernahm die Kontra-Position.
Die Anwesenden machten sich den Entscheid über das richtige Verhalten in Sachen Minarett-Verbot nicht leicht; nach einer engagierten und kontroversen Diskussion obsiegte in der Schlussabstimmung ganz knapp das NEIN zur Minarett-Initiative. Die Delegiertenversammlung der EVP Schweiz beschloss zehn Tage später ebenfalls die NEIN-Parole, mit 92 zu 29 Stimmen – dies nach etlichen befürwortenden Voten.
Ernsthafte, politisch interessierte Christen kommen in Sachfragen zu unterschiedlichen Schlüssen - das irritiert. Aber eben: „Unser Erkennen ist Stückwerk“, sagt schon Paulus im 1. Korintherbrief (13,9). Mit Meinungsverschiedenheiten musste man schon damals umgehen lernen; umso trauriger, wenn heute noch andern Christen der rechte Glaube abgesprochen wird, nur weil sie zum Thema „Minarettverbot in der Bundesverfassung“ eine andere Erkenntnis haben als die eigene Gruppierung. Auch die Leitung der Evangelischen Allianz ist mit ihrer Nein-Parole ins Schussfeld gekommen; hier erwähnt sei das sehr lesenswerte Rundschreiben des SEA-Zentralsekretärs vom 14.10.09, Download auf: www.each.ch/sea
Der Kantonalvorstand der EVP anerkennt die Ernsthaftigkeit der Überzeugungen auf beiden Seiten und bietet daher auch keine Veranstaltungen an, bei denen Ängste und Pauschalurteile die Oberhand gewinnen können. Dafür legen hier im Info nochmals ein Befürworter und ein Gegner aus der EVP ihre Argumente dar. Wir hoffen, dass sie zur Meinungsbildung der einzelnen und zu einem respektvollen und klaren Umgang miteinander und mit andersgläubigen Menschen beitragen – auch nach dem 29. November 2009.
Vgl. auch den Artikel von Kantonsrat Reto F. Denoth im EVP Info 2/2009 Seite 1, der sich deutlich gegen eine Islamisierung unserer Rechtsordnung ausspricht.
im Auftrag des Kantonalvorstands Susi Tapernoux, St.Gallen


